
 StatClim2009: Anpassung an den Klimawandel: Beiträge zur Erstellung einer Anpassungsstrategie für Österreich

Der Klimawandel und seine weitreichenden Folgen erfordern neben Maßnahmen zum Kli-maschutz auch solche zur Anpassung, um Schäden zu mildern bzw. zu vermeiden und sich eröffnende Chancen zu ergreifen. In der Studie „Identifikation von Handlungsempfehlungen zur Anpassung an den Klimawandel in Österreich“, die im Auftrag des BMLFUW erstellt wurde, wur-den Anpassungsmaßnahmen für die Aktivitätsfelder Wasserwirtschaft, Tourismus, Landwirt-schaft, Forstwirtschaft und Elektrizitätswirtschaft für Österreich erhoben. Diese Studie ist ein erster Beitrag zur Entwicklung einer österreichischen Anpassungsstrategie und hat aufgezeigt, wo es für die Ausarbeitung von fundierten Anpassungsmaßnahmen noch Wissenslücken gibt und daher weiterer Forschungsbedarf besteht.
In StartClim2009 sollen diese Themen aufgegriffen bzw. weiter bearbeitet werden. In StartClim2009 erarbeitete Themen sollen den Prozess zur Erarbeitung einer österreichischen Anpassungsstrategie gezielt unterstützen.
Ergebnisse werden voraussichtlich Ende 2010 veröffentlicht.
Folgende sechs Projekte werden in StartClim2009 derzeit bearbeitet:
 StartCim2009.A: Klimatisch beeinflusste Vegetations-entwicklung und Nutzungsintensivierung von Fettwiesen im österreichischen Berggebiet - Eine Fallstudie aus dem Kerngebiet der österreichischen Grünlandwirtschaft

Projektleiter: Gerhard Karrer, Institut für Botanik, Department für Integrative Biologie, BOKU
Kurzfassung:
Österreichs Grünlandwirtschaft ist sowohl vom Struktur- als auch Klimawandel stark betroffen. Besonders in für Dauergrünland begünstigten Lagen mit ausreichend Niederschlägen und gemäßigten Temperaturen können die allgemeinen Klimatrends den Landwirt zu einer Ausweitung der Nutzungsintensität (Schnittfrequenz) verleiten. Ob die natürlich vorkommenden Dauerwiesenpflanzen dieser erhöhten Belastung bei geänderten Klimabedingungen standhalten können, ist Gegenstand dieses Projektes. Die Auswirkungen auf die intensiv genutzten Fettwiesen hinsichtlich Artenvielfalt, Biomasseproduktion sowie Wuchsformmerkmalen soll anhand von Feldbeobachtungen und Zeitreihenanalysen untersucht werden.
Die Einbindung und teilweise Wiederholung der 1997-99 im Rahmen eines MAB-Projektes (Man and Biosphere) durchgeführten Vegetationsaufnahmen und Biomasseerhebungen im Transekt Tauplitz - Oppenberg (Mittleres Steirisches Ennstal) soll die Entwicklungen im Pflanzenbestand sowie Änderungen in der Bewirtschaftungsstrategie dokumentieren. Dazu werden 32 Wirtschaftswiesen mit einer Änderung der Bewirtschaftung seit 1997 ausgesucht, und mit Flächen ohne Bewirtschaftungsänderung verglichen. Die Faktoren Nutzungsintensität (2 bis 4 Schnitte/Jahr) und Wirtschaftsdüngerart (Mist/Jauche, Gülle) werden dabei als Hauptwirkungen untersucht unter Berücksichtigung der Umweltvariablen. Die Erstellung und Nutzung eines räumlich möglichst hochauflösenden Klimadatensatzes sollen Gunst- und Ungunstlagen für derartige Bewirtschaftungsintensivierungen und ihre Folgen ausweisen helfen. Das Ziel ist die Verbesserung der Voraussagemöglichkeiten von Veränderungen in der Artenzusammensetzung und im Ertrag von Grünlandflächen unter variierenden klimatischen und wirtschaftlichen Bedingungen anhand von Fallstudien im Grünland des Berggebietes Österreichs unter variierenden klimatischen und wirtschaftlichen Bedingungen. Mit den zu erwartenden Ergebnissen können die möglichen Anpassungsstrategien der österreichischen Grünland-Wirtschaft an den Klimawandel besser beurteilt werden. Ergänzend dazu wird in einem Dafne - Projekt (Zusammenarbeit BOKU-Institut für Botanik, LFZ Raumberg-Gumpenstein und Bio Ernte Steiermark) im benachbarten Pölstal ein Exaktversuch mit denselben Behandlungen über 3 Jahre seit 2009 durchgeführt. Damit steht ein Vergleichsdatensatz für eine Kausalanalyse zur Verfügung.
 StartClim2009.B: Klima - Wachstums Response von Fichtenherkünften im Alpenraum – Eine Adaptions-möglichkeit für die österreichische Forstwirtschaft

Projektleiter: Silvio Schüler, Institut für Genetik, Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft
Kurzfassung:
Für den Schutz natürlicher Ressourcen wie Wasser und Boden und für die Aufrechterhaltung von Biodiversität und Naturschutz kommt den heimischen Wäldern unter den Bedingungen des Klimawandels eine überragende Bedeutung zu. Die einzelnen, das jeweilige Waldökosystem bestimmenden Baumarten, sind von den sich rasch ändernden Klimabe-dingungen allerdings direkt betroffen, denn die Geschwindigkeit der Veränderungen macht eine evolutionäre Anpassung unmöglich (Savolainen et al. 2007). Fast alle Baumarten besitzen aber eine große intraspezifische Toleranz gegenüber verschiedenen Klimabedingungen, denn die natürliche Verbreitung der meisten Baumarten umfasst große Teile Europas und damit verschiedene Klimazonen. Diese große Variation wird von der Forstwirtschaft seit langem genutzt, um ausgehend von Herkunftsversuchen die bestwüchsigsten und qualitativ hochwertigsten Samenherkünfte auszuwählen. Gleichzeitig eröffnet die intraspezifische Variation der Klimawachstumsbeziehungen eine Möglichkeit die heutigen Wälder an das Klima von Morgen anzupassen, ohne dass dabei die wesentlichen Ökosystemfunktionen zerstört werden. In diesem Projekt soll die intraspezifische Variation der Klimawachstumsbeziehung der Fichte, der wichtigsten österreichischen Waldbaumart, auf Basis von Daten eines österreichischen Herkunftsversuchs mit 540 Herkünften auf 44 Versuchsflächen untersucht werden. Mit Hilfe von Klima-Response und Klima-Transfer Funktionen soll ermittelt werden welche Fichtenherkünfte für die prognostizierten Klimaszenarien das größte Potential haben und inwieweit Herkünfte zwischen Herkunftsgebieten und Höhenstufen transferiert werden können.
 StartClim2009.C: Analyse von Vulnerabilität und möglichen Anpassungsmassnahmen an den Klimawandel im Bio-sphärenpark Wiener Wald

Projektleiter: Manfred Lexer, Institut für Waldbau,
Department für Wald- und Bodenwissenschaften, Universität für Bodenkultur Wien
Kurzfassung:
In der vorgeschlagenen Studie soll die Vulnerabilität von Wäldern und Waldbewirtschaftung im Biosphärenpark Wiener Wald (Entwicklungs- und Pflegezone; Teil ÖBf AG) in Bezug auf eine Klimaveränderung abgeschätzt werden sowie für vulnerable Waldökosysteme (i.e. Standort- /Bestandeskombinationen versus derzeitige Managementziele) optionale Anpassungsmaßnahmen erarbeitet und analysiert werden. Zur Anwendung kommt in der vorgeschlagenen Studie die Technik der simulationsgestützten Szenarioanalyse. Damit können in „Was wäre, wenn...“ Form Auswirkung unterschiedlicher Klimaänderungsszenarios auf den Wald mittels des dynamischen Ökosystemmodelles PICUS v1.42 abgeschätzt werden. Die Definition von Indikatoren für die Vulnerabilität des analysierten Systems (Wechselwirkung von Standortstyp, Bestandestyp, Bewirtschaftung, Klima) stellt einen Kernpunkt des Vorhabens dar und wird in einem partizipativen Prozess gemeinsam mit der ÖBf AG und Stakeholdern (e.g., WWF Österreich, Wienerwaldkonferenz, Birdlife, Regionalmanagement Niederösterreich, etc.) durchgeführt. Grundlegende Idee ist, mit dem Indikatorenset die drei Säulen der Nachhaltigkeit (Ökologie, Ökonomie, Soziales) explizit abzudecken. Letztendlich soll auch als Nebenaspekt versucht werden, die Kongruenz mit Ansätzen der betrieblichen Nachhaltigkeitsbewertung (z.B. betriebsinterne Sustainability Balanced Score Card der ÖBf AG) zu bewerkstelligen. Es werden Indikatoren auf Bestandesebene und auf höher aggregierter Ebene (i.e. Landschaft, Revier) unterschieden. Besonderes Augenmerk wird Risikofaktoren (i.e. Störungen) gewidmet (z.B. Borkenkäfer, Sturmschadensanfälligkeit, etc.). Die Analyse umfasst den Zeitraum 2000-2100. Es werden mindestens drei transiente regionalisierte Klimaänderungsszenarios in den Analysen verwendet. Ergebnisse der Studie werden in praxisgerechter Form aufbereitet und Interessierten Parteien zur Verfügung gestellt.
 StartClim2009.D: Humusbilanzierung als praxisgerechtes Tool für Landwirte zur Unterstützung einer CO2-speichernden Landwirtschaft

Projektleiter: Wilfried Hartl, Bioforschung Austria
Kurzfassung:
Im Bereich Landwirtschaft kommt dem Humusgehalt des Bodens hinsichtlich der Minderung des Treibhauseffekts (C-Speicherung) und der Anpassung an veränderte Klimabedingungen (Wasserspeicherung, Erosionsschutz, Bodenverbesserung) eine herausragende Rolle zu. Damit Landwirte jedoch ihre Bewirtschaftung auf eine maximale Humuserhaltung bzw. –vermehrung ausrichten können, benötigen sie ein zuverlässiges Werkzeug, mit dessen Hilfe sie feststellen können, wie sich ihre Bewirtschaftung auf den Bodenhumusgehalt auswirkt. Dieses Werkzeug in Form der Humusbilanz existiert bereits, es berücksichtigt jedoch regionale Verhältnisse sowie bestimmte Bewirtschaftungsfaktoren nicht hinreichend.
Das Ziel des vorliegenden Projektes ist es, eine Humusbilanzmethode zu finden, die den Bedürfnissen der Stakeholder, einer Gruppe von an der Erhaltung und Mehrung des Humusgehaltes ihrer landwirtschaftlichen Böden interessierten Bauern aus der Region Weinviertel, entspricht. Dazu sollen mehrere Humusbilanzmethoden anhand von Daten aus langjährigen Feldversuchen verglichen werden. Zusammen mit den Bauern soll die geeignetste ausgewählt werden und schließlich an den von ihnen bereitgestellten Daten ihrer Praxisbetriebe erprobt und evaluiert werden. Mit der ausgewählten Humusbilanzmethode sollen die Bauern ein Werkzeug in die Hand bekommen, mit dem eine CO2-speichernde Landwirtschaft für sie besser begreifbar, aber vor allem auch planbar und umsetzbar wird.
 StartClim2009.E: Anpassungsmaßnahmen für Büros: Optimierung des thermischen Komforts

Projektleiterin: Tania Berger, Department für Bauen und Umwelt, Donau-Universität Krems
Kurzfassung:
Die zukünftige Sommertauglichkeit von Bürogebäuden ist durch erhöhte Außentemperaturen im Gefolge des Klimawandels gefährdet. Ziel des Projektes ist die Ausarbeitung baulicher und technischer Maßnahmenpakete zur Gewährleistung der Sommertauglichkeit von 4 existierenden, typischen Bürogebäuden in Wien unter Vermeidung zusätzlicher energetischer Aufwendungen für die Gebäudekonditionierung. Dies geschieht unter Einbindung der Gebäudebetreiber (s. beiliegender Letter of Intent der ÖNB, Gebäudeeigner von 2 der zu untersuchenden Gebäude).
Optimierungspotentiale sind in zwei Bereichen zu suchen: Zum einen bietet die Gebäudehülle zahlreiche – passive - Möglichkeiten, solare Einträge ins Rauminnere zu unterbinden. Diese Methoden des Sonnen- und Überhitzungsschutzes sind bereits heute in Verwendung, optimierbar ist aber das Zusammenspiel unterschiedlicher Sonnenschutzkomponenten untereinander sowie mit der Haustechnik des Gebäudes, die den zweiten wichtigen Untersuchungsbereich darstellt. Unterschiedliche bautechnische und haustechnische Mittel zur Dämpfung von Temperaturspitzen und zur Abfuhr und Zwischenspeicherung von Überschusswärme werden hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und Nachhaltigkeit untersucht. Steuer- und regelungstechnische Aspekte bilden einen wichtigen Bestandteil dieser Untersuchung.
 StartClim2009.F: AlpinRiskGP - Abschätzung des derzeitigen und zukünftigen Gefährdungspotentials für Alpintouristen und Infrastruktur bedingt durch Gletscherrückgang und Permafrostveränderung im Großglockner-Pasterzengebiet (Hohe Tauern, Österreich)

Projektleiter: Gerhard Karl Lieb, Institut
für Geographie und Raumforschung, Universität Graz
Kurzfassung:
Felssturz, Steinschlag und andere Massenbewegungen können durch die räumliche Überlagerung mit menschlichem Aktionsraum oder Infrastruktur zur Naturgefahr werden. In AlpinRiskGP werden ein Dispositionsmodell, welches potenzielle Ursprungsgebiete solcher Massenbewegungen ausweist, und ein Prozessmodell, mit welchem die Reichweite und Ausbreitung flächenhaft berechnet werden können, für das Untersuchungsgebiet Großglockner- Pasterze zur Erstellung einer Gefahrenhinweiskarte kombiniert. Mit dieser werden Rauminformationen von menschlichen Aktivitäten und von Infrastruktur für derzeitige Verhältnisse sowie für Szenarien der zukünftigen Entwicklung von Gletscher und Permafrost, abgeleitet aus regionalen Klimamodell-Rechnungen, verschnitten. Ergebnis ist eine Vulnerabilitätskarte mit Ausweisung von rezenten und zukünftigen Gefährdungsflächen für Besucherströme und Infrastruktur. Das Untersuchungsgebiet ist mit rund 1 Mio. Besucher pro Jahr eine der wichtigsten hochalpinen Tourismusregionen Österreich. Davon begeben sich pro Jahr rund 15.000 Bergsteiger und Bergwanderer in hochalpines, potentiell gefährdetes Gelände. Damit hat AlpinRiskGP neben dem Aspekt der Sicherheit auch eine sozioökonomische Bedeutung für die Sicherstellung eines verantwortungsbewußten Alpintourismus im Gebiet. Die langjährige Erfahrung der Antragsteller in geomorphologischer Prozess-Untersuchung und numerischer Modellierung sowie deren hervorragende Kenntnis des Untersuchungsgebietes in Kombination mit bewährten Kooperationen werden eine erfolgreiche Durchführung von AlpinRiskGP sicherstellen. Die von AlpinRiskGP entwickelte Methodik ist übertragbar und kann somit auch auf andere alpine Tourismusregionen Österreichs angewandt werden. In einem möglichen Folgeprojekt mit physikalisch basierter Modellierung wird die in AlpinRiskGP entwickelte Methodik validiert werden können. AlpinRiskGP wird somit eine wichtige Grundlage für die Gefahrenzonierung und Vulnerabilitätsbewertung für hochalpine Gebiete Österreichs unter Berücksichtigung des Klimawandels liefern.

Nähere Informationen:
Mag. Ingeborg Schwarzl und Univ.Prof. Dr. Helga Kromp-Kolb
Klimaforschungsinitiative AustroClim
c/o: BOKU, Department Wasser-Atmosphäre-Umwelt
Institut für Meteorologie, Peter Jordan-Straße 82, A-1190 Wien
Tel.: 01/476 54/5618, Fax: 01/476 54/5610
E-Mail: ingeborg.schwarzl@boku.ac.at
http://www.austroclim.at/
http://www.wau.boku.ac.at/met.html


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