Wer hat Pluribus schon zu Ende gesehen? Wart ihr geflashed? Denn so ging es mir nach Episode 9 von Pluribus. Kein großer Knall, kein klassisches Finale Gefühl, eher ein stilles Sitzenbleiben. Ich hab den Abspann laufen lassen und war gedanklich noch ganz woanders.

Was mich an Pluribus so fasziniert, ist diese permanente Unruhe. Alles wirkt ruhig, fast freundlich, und trotzdem stimmt etwas ganz gewaltig nicht. Die letzte Folge bringt das für mich perfekt auf den Punkt. Carol steht wieder einmal vor einer Entscheidung, die eigentlich keine ist. Welt oder Mensch, Nähe oder Verantwortung. Dass sie zögert, schwankt, sogar kurz flüchtet, macht sie unglaublich glaubwürdig. Vielleicht manchmal zu glaubwürdig. Aber am Ende stehen wieder ihre Interessen im Vordergrund, weil wenn sie was realisiert hat, dass das Kollektiv nicht halt machen wird, ehe sie nicht Teil von ihnen wird. Deswegen wohl eine leichte Entscheidung ihnen doch wieder den Kampf anzusagen.

Die Beziehung zu Zosia hat mich mehr beschäftigt, als ich erwartet hätte. Nicht wegen der Romantik, sondern wegen der moralischen Grauzone. Kann etwas echt sein, wenn es Teil eines Kollektivs ist. Ich hab mir diese Frage später noch beim Geschirrspüler ausräumen gestellt, und das passiert nicht oft bei Serien.

Auch das Tempo, das viele kritisieren, empfinde ich als Stärke. Pluribus nimmt sich Zeit, mir beim Denken zuzuschauen. Das ist ungewohnt, manchmal anstrengend, aber selten so lohnend. Nicht alles ist rund, manche Bögen sind fast zu knapp erzählt, aber das Gefühl bleibt.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum Pluribus für mich zu den stärksten Serien des Jahres gehört. Sie traut sich, offen zu bleiben, und mir zu vertrauen, dass ich damit umgehen kann. Apple hat hier wieder massvist abgeliefert. Falls wer ein iPad oder iPhone zu Weihnachten bekommen hat, sollte von seinen 3 Monaten gratis Apple TV Gebrauch machen und die Serie jetzt binge watchen! Ihr werdet es nicht bereuen!