Manchmal braucht’s gar nicht viel, um zu merken, dass ein Film mehr ist als nur Unterhaltung. Ein paar ruhige Szenen, ein Blick, ein nicht ausgesprochenes Wort und plötzlich sitzt man im Kinosaal, schaut auf die Leinwand und denkt sich:

„Oha, da passiert gerade mehr als ich fassen kann.“

So ging’s mir gestern mit Black Bag – Doppeltes Spiel. Ich war mit einer Freundin im Kino, eher spontan, ehrlich gesagt. Ich hatte grob gehört, dass Steven Soderbergh Regie geführt hat, Michael Fassbender und Cate Blanchett dabei sind. Klingt gut, dachte ich. Aber was dann kam, hat mich mehr beschäftigt, als ich erwartet hätte. Definitiv positiv überrascht gewesen.

Der Film ist kühl. Im besten Sinn. Alles ist durchdacht: Kameraarbeit, Dialoge, Set-Design. Keine einzige Szene wirkt zufällig. Die Farben sind gedämpft, die Stimmung angespannt. Und doch flackert unter dieser Oberfläche ständig etwas auf. Man fühlt sich fast wie ein Mitspieler in diesem Rätsel aus Loyalität, Misstrauen und ganz leisen Emotionen.

Black Bag ist kein lauter Film. Die Action bleibt fast völlig aus, dafür baut sich die Spannung über scharf geschriebene Gespräche und immer komplexer werdende Beziehungen auf. Besonders stark fand ich die Szenen, in denen George (Fassbender) seine Frau Katherine (Blanchett) mit einem ganz feinen Misstrauen beobachtet, ohne dass ein Wort fallen muss.

Natürlich hat der Film auch Längen. Manche Szenen sind ein bisschen zu bemüht konstruiert, als müsste man noch ein weiteres Geheimnis einbauen. Aber genau das passt auch wieder zum Thema: Wer weiß schon, was Wahrheit ist, wenn alle jederzeit lügen können?

Ich kann nur empfehlen, sich auch Robert Hofmans Kritik anzusehen. Er trifft genau den Ton, den der Film versucht zu setzen: differenziert, klug, mit einem Gespür fürs Unausgesprochene.

„Wenn man jederzeit lügen kann. Warum sollte man dann noch die Wahrheit sagen?“

Diese Frage verfolgt mich seit dem Film. Und vielleicht ist genau das, was Black Bag so sehenswert macht.