Manchmal merkt man erst, wie sehr sich die Welt verändert hat, wenn jemand versucht, sie zurückzuholen. Für die älteren unter uns vielleicht etwas, was man nachvollziehen kann. Oder wenn ich mir meinen Blog ansehe, der vor paar Jahren Tausende Besucher hatte, heute kaum seine 10 Leser am Tag erreicht. Aber gut, um mich geht’s heute nicht.

Stefan Raab, das ewige TV-Mastermind, war für mich immer wie ein Schweizer Taschenmesser: vielseitig, verlässlich, oft auch überraschend scharf. Ich bin mit seinen Shows groß geworden. TV total lief bei uns fast jeden Abend. Seine Mischung aus Nonsens und Präzision war einzigartig. Raab war laut, wild und irgendwie genial. Und dann war er weg.

Neun Jahre Funkstille. Kein Nippelboard, kein Turmspringen, kein Schlag den Raab. Und dann plötzlich: Comeback. Mit einem Boxkampf, einer RTL-Show und als wäre es nie anders gewesen, der ESC. Er machte das Ganze zur „Chefsache“, was denn sonst. Und scheiterte. Platz 15 für Deutschland. Ausgerechnet er, der vorher gesagt hatte, er mache das nur, um zu gewinnen. Das hat wehgetan. Nicht nur ihm. Auch mir beim Zuschauen.

Seine neue Sendung bei RTL? Ein Flop. Zu schwerfällig, zu gewollt. Raab wirkte wie jemand, der die richtige Sprache nicht mehr ganz trifft. Nicht mehr der Puls der Zeit, sondern ein Echo aus einer anderen Ära. Vielleicht liegt es nicht mal an ihm. Vielleicht liegt es daran, dass das Fernsehen nicht mehr das ist, was es mal war. Heute scrollt man statt zu zappen.

Was bleibt, ist Respekt. Für den Mut, für die Konsequenz. Und vielleicht auch ein bisschen Traurigkeit. Weil man merkt, dass auch Helden älter werden. Und weil selbst das lauteste Comeback irgendwann leise endet.

Wie hieß es bei seiner allerletzten Show so schön?

„Ich bedanke mich bei mir selbst für eine geile Zeit.“

Vielleicht war das damals schon der bessere Abgang.